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Ratgeber

Auslandspraktikum selbst organisieren, mit oder ohne Erasmus+

Für ein Praktikum im Ausland brauchst du vor allem eins: einen Betrieb, der dich nimmt. Viele kleine Betriebe schreiben Praktika gar nicht aus. Wer sie direkt und in ihrer Sprache anschreibt, hat gute Chancen. Hier steht, wie du vorgehst, was Erasmus+ zahlt und was in einzelnen Ländern gilt.

Redaktion Easy Application · veröffentlicht am , aktualisiert am

Erst die Hochschule, dann die Betriebe

Bevor du Bewerbungen verschickst, klär mit deinem International Office oder Praktikumsamt drei Dinge:

  1. Wird das Praktikum anerkannt? Bei einem Pflichtpraktikum legt deine Prüfungsordnung fest, welche Einrichtungen und welche Dauer zählen.
  2. Gibt es Förderung, und bis wann musst du dich melden? Für Erasmus+ beantragst du die Förderung über deine Hochschule, meist mit Fristen lange vor dem Start.
  3. Welche Unterlagen braucht der Betrieb? Für Erasmus+ gehört dazu ein Learning Agreement for Traineeships, das du, deine Hochschule und der Betrieb vor dem Start unterschreiben. Darin steht auch, wer dich gegen Unfall und Haftpflicht versichert; beides verlangt Erasmus+.

Gefördert werden Praktika von zwei bis zwölf Monaten, auch noch bis zu zwölf Monate nach dem Abschluss. Bist du in der Ausbildung, läuft Erasmus+ über die Berufsbildung: Den Antrag stellt dann deine Berufsschule oder dein Betrieb, nicht du selbst.

Was Erasmus+ zahlt

Wie viel du im Monat bekommst, hängt von der Ländergruppe ab (Förderprojekte der Aufrufe 2025 und 2026, für Studierende deutscher Hochschulen):

GruppeLänderPraktikum im Monat
1Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Irland, Island, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweden750 €
2Estland, Griechenland, Lettland, Malta, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Zypern690 €
3Bulgarien, Kroatien, Litauen, Nordmazedonien, Polen, Rumänien, Serbien, Türkei, Ungarn690 €

Dazu kommen eine Reisepauschale nach Entfernung und, etwa mit Kind oder aus einem nicht-akademischen Elternhaus, 250 € im Monat. Verbindlich entscheidet deine Hochschule. Deine Summe zeigt der Erasmus+-Förderrechner.

In welcher Sprache bewerben?

In der Landessprache, wenn du sie einigermaßen sprichst. Das zeigt, dass du dort wirklich arbeiten willst, und in vielen Ländern spricht nur ein Teil der Menschen gut Englisch: In Italien können sich laut Eurobarometer 33 % auf Englisch unterhalten, in Spanien 38 %, in Frankreich 40 %, in den Niederlanden dagegen 93 %. Wo du die Sprache nicht sprichst, schreib auf Englisch und sag offen, wie gut deine Sprachkenntnisse sind. Übertreib nicht: Im ersten Gespräch fällt es auf.

Easy Application schreibt Betriebe auf Französisch, Italienisch, Spanisch, Englisch oder Deutsch an, je nach Land und Website des Betriebs. Bei der Frage „In welcher Sprache kannst du arbeiten?“ im Einstieg wählst du, ob es stattdessen Englisch sein soll.

Länder im Überblick

Zu diesen Ländern gibt es eigene Ratgeber mit Bewerbungsregeln, Muster-Mail in der Landessprache, Praktikumsrecht und Versicherung:

Finnland

Englisch ist im Berufsleben weit verbreitet; eine Bewerbung auf Englisch ist üblich, Finnischkenntnisse sind ein Plus. Die Kommunikation ist eher knapp und direkt.

Schweiz

Stand September 2026 ist die Schweiz noch nicht Teil von Erasmus+; Hochschulen fördern Austausch über das Swiss-European Mobility Programme (SEMP). Eine Teilnahme ab 2027 ist geplant, das Parlament entscheidet voraussichtlich bis Dezember 2026 (Movetia). Was für dein Praktikum gilt, klärt dein International Office. In der Deutschschweiz bewirbst du dich auf Deutsch, in der Romandie auf Französisch, im Tessin auf Italienisch.

Übrige EU-Länder

In den anderen Ländern der EU schreibst du meist auf Englisch, und so schlägt es Easy Application auch vor. Ist die Website eines Betriebs deutschsprachig, bewirbst du dich auf Deutsch. In Belgien und Luxemburg geht die Bewerbung an französischsprachige Betriebe auf Französisch. Kannst du die Landessprache, schreib das ins Anschreiben. Was Erasmus+ für diese Länder zahlt, zeigt der Förderrechner.

Früh anfangen

Plane mehrere Monate Vorlauf ein: für die Suche, für Antworten aus dem Ausland, für Förderanträge und für Wohnung und Anreise. Schreib lieber mehrere passende Betriebe gleichzeitig an als einen nach dem anderen. Wie eine gute Initiativbewerbung aufgebaut ist, steht im Ratgeber Initiativbewerbung.

Quellen

Alle Angaben haben wir am 25. Oktober 2026 bei diesen Stellen geprüft. Regeln und Beträge ändern sich; im Zweifel gilt, was dort steht und was deine Hochschule sagt.

  1. Erasmus+ Mobilität von Einzelpersonen (KA131): monatliche Förderraten 600 € und 540 € (Nationale Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit im DAAD)
  2. Erasmus+ Auslandspraktikum: Dauer, Kontingent, Graduierte (NA DAAD)
  3. Erasmus+-Programmleitfaden: Mobilität in der Hochschulbildung (Ländergruppen, Zuschläge, Reisepauschalen) (Europäische Kommission)
  4. Leitfaden zum Learning Agreement for Traineeships: Unfall- und Haftpflichtversicherung (Europäische Kommission)
  5. Erasmus+ Auslandsaufenthalte in der Berufsbildung: wer Anträge stellt (Nationale Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung)
  6. Special Eurobarometer 540: Europeans and their languages (2024) (Europäische Kommission)
  7. Erasmus+ und die Schweiz: Stand der Assoziierung (Movetia, Schweizer Agentur für Austausch und Mobilität)