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Ratgeber

Bewerbung um einen Ausbildungsplatz

Eine Ausbildung suchst du anders als einen Job: Der Vorlauf ist lang, viele Plätze stehen nirgends im Netz, und Betriebe schauen bei Azubis auf andere Dinge als bei Studierenden. Hier steht, wann du anfängst, wo du suchst, was in die Bewerbung gehört und wie es nach dem Absenden weitergeht.

Redaktion Easy Application · Stand

Wann du dich bewirbst

Die meisten Ausbildungen starten im August oder September. Der Bewerbungszeitraum liegt davor, und zwar weiter davor, als viele denken. Die Bundesagentur für Arbeit rät, mit den Bewerbungen nach dem Jahreszeugnis der vorletzten Klasse zu beginnen; manche Branchen, etwa Banken, Versicherungen und der öffentliche Dienst, starten noch früher (Bundesagentur für Arbeit: Bewerbungsprozess Ausbildung).

Als grobe Orientierung für einen Start im Sommer:

  • Ein Jahr bis 18 Monate vorher: große Betriebe, Konzerne, Banken, Versicherungen, Behörden, Polizei, Bahn. Dort sind die Plätze im Herbst oft schon weg.
  • Sechs bis zwölf Monate vorher: der normale Zeitraum für Handwerk, Handel, Pflege, Praxen, kleine und mittlere Betriebe.
  • Kurz vorher und danach: Nachrücker-Zeit. Wer im Juli, August oder September fragt, trifft Betriebe, deren Wunschkandidat abgesagt hat oder die noch offene Plätze haben.

Die letzte Phase wird unterschätzt. Zum 30. September 2025 blieben laut BIBB rund 54.400 Ausbildungsstellen unbesetzt, während etwa 84.400 junge Menschen noch auf der Suche waren (BIBB-Pressemitteilung zum Ausbildungsmarkt 2025). Es gibt also freie Plätze und suchende Bewerber gleichzeitig: Beide finden einander oft nur nicht. Wenn du spät dran bist, ist das kein Grund aufzuhören.

Wo Ausbildungsplätze stehen

Fang bei den Stellen an, die es öffentlich gibt, und hör dort nicht auf:

  • Die Ausbildungssuche der Bundesagentur für Arbeit und die Berufsberatung vor Ort.
  • Die Lehrstellenbörsen der Kammern: IHK für kaufmännische und industrielle Berufe, Handwerkskammer für das Handwerk.
  • Die Karriereseiten größerer Betriebe und Kliniken direkt.
  • Ausbildungsmessen, Tage der offenen Tür, Berufsinfotage der Schule.
  • Leute, die du kennst: Eltern, Verwandte, Nachbarn, Trainer, Nebenjob-Chef. Viele Azubis landen über einen Hinweis aus dem Umfeld im Betrieb.

Und dann gibt es die Betriebe, die nirgends stehen. Ein Zwei-Personen-Handwerksbetrieb, eine Arztpraxis, ein Friseursalon, eine Kfz-Werkstatt, ein Steuerbüro mit fünf Leuten: Dort entscheidet der Chef oder die Chefin selbst, meist ohne Personalabteilung. Eine Anzeige zu schalten kostet Geld und bringt Bewerbungen, die jemand sortieren muss. Oft läuft es deshalb einfach so: Wer fragt, wird gefragt. Wenn niemand fragt, wird in dem Jahr eben nicht ausgebildet.

Warum die Initiativbewerbung hier besonders oft klappt

Bei einer ausgeschriebenen Stelle bist du eine Bewerbung unter vielen. Bei einem Betrieb, der nichts ausgeschrieben hat, bist du häufig die einzige Bewerbung des Monats, und du kommst zu jemandem, der grundsätzlich ausbilden könnte, sich aber noch nicht darum gekümmert hat.

Dazu passt ein Befund des BIBB: Betriebe erreichen mit direkten Wegen, bei denen persönlicher Kontakt entsteht, zwar weniger Bewerbungen, besetzen ihre Plätze damit aber besser als mit breit gestreuter Werbung (BIBB Report 3/2023). Eine Initiativbewerbung ist genau so ein direkter Kontakt, nur von deiner Seite aus gestartet.

Wie du eine solche Bewerbung aufbaust, welcher Betreff funktioniert und was in die ersten Sätze gehört, steht im Ratgeber zur Initiativbewerbung per E-Mail.

Was in die Bewerbung gehört

Für eine Ausbildungsbewerbung nennt die Bundesagentur für Arbeit Anschreiben, tabellarischen Lebenslauf, Zeugnisse (mindestens das letzte, bessere ältere gern dazu), Praktikumsbescheinigungen und Teilnahmebescheinigungen etwa von Wettbewerben (Bundesagentur für Arbeit: Bewerbungsprozess Ausbildung). Im Detail:

  • Anschreiben, eine Seite. Warum dieser Beruf, warum dieser Betrieb, ab wann du kannst. Der Satz zum Betrieb ist der wichtigste: Er zeigt, dass du nicht 50 Mal denselben Text verschickt hast.
  • Lebenslauf. Schule, Praktika, Nebenjobs, Ehrenamt, Vereine, Führerschein, Sprachen, EDV. Bei wenig Berufserfahrung darf hier stehen, was du außerhalb der Schule machst; das ist kein Füllmaterial, sondern der interessante Teil.
  • Zeugnis. Das letzte Halbjahres- oder Jahreszeugnis als PDF. Hast du noch kein Abschlusszeugnis, ist das normal: Das reichst du nach.
  • Praktikumsnachweise. Auch das Schulpraktikum in der 9. Klasse zählt, besonders wenn es im gleichen Bereich war. Wenn du eine Bescheinigung hast, häng sie an.
  • Sauber benannte PDFs wie „Lebenslauf_Mia_Muster.pdf“, alles zusammen klein gehalten. Keine Handyfotos von Zeugnissen.

Ein Foto ist freiwillig und rechtlich nicht nötig. Bei Ausbildungsbewerbungen ist es nach wie vor verbreitet; wenn du eins nimmst, dann ein aktuelles, freundliches, kein Urlaubsbild.

Was Betriebe bei Azubis anders bewerten

Bei einer Ausbildung kann niemand Berufserfahrung erwarten: Die soll ja erst entstehen. Bewertet wird deshalb weniger, was du schon kannst, sondern ob du drei Jahre durchhältst und in den Betrieb passt. Das sieht in der Praxis so aus:

  • Zuverlässigkeit vor Noten. Fehltage und Verspätungen im Zeugnis fallen auf, oft mehr als eine Vier in Mathe. Umgekehrt zählt ein Nebenjob über zwei Jahre viel.
  • Echtes Interesse am Beruf. Warum Anlagenmechanik und nicht irgendwas? Ein Praktikum oder ein konkreter Satz darüber, was dir am Handwerk gefällt, wirkt stärker als jede Formulierung aus einer Vorlage.
  • Kann man mit dir reden. Kleine Betriebe arbeiten eng zusammen. Wer im Gespräch grüßt, zuhört und nachfragt, hat schon viel gezeigt.
  • Bleibt sie oder er? Ein Azubi kostet den Betrieb erst einmal Zeit und Geld. Wohnort in der Nähe, eigene Anreise geklärt, klarer Plan: Das beruhigt.
  • Eltern spielen eine Rolle. Manche Betriebe finden es gut, wenn die Familie hinter der Entscheidung steht. Beim Gespräch gehst du aber allein hinein.

Bei Studierenden zählen dagegen Fachsemester, Studienschwerpunkt und Vorkenntnisse. Wenn du Vorlagen aus dem Netz nutzt, achte darauf, dass sie für Ausbildung und nicht für Praktikanten aus dem Studium geschrieben sind.

Nach der Bewerbung

Einstellungstest. Größere Betriebe, Banken, Versicherungen, Behörden und Industriebetriebe testen oft vorab, meist online: Rechnen, Prozente, Dreisatz, Rechtschreibung, Logik und Konzentration, dazu je nach Beruf etwas Technik oder Allgemeinwissen. Die Aufgaben sind meist Schulstoff unter Zeitdruck. Üben hilft genau deshalb: nicht wegen des Inhalts, sondern wegen des Tempos. Kleine Betriebe testen selten bis nie.

Vorstellungsgespräch. Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt, nie unvorbereitet hineinzugehen, und nennt eine vier bis fünf Minuten lange Selbstvorstellung mit Begründung der Berufswahl (Bundesagentur für Arbeit: Bewerbungsprozess Ausbildung). Rechne mit den Klassikern: Warum dieser Beruf, warum wir, was weißt du über uns, was machst du in deiner Freizeit, wo bist du gut, wo nicht. Überleg dir zwei eigene Fragen, etwa zum Ablauf der Ausbildung oder dazu, wer dich im Betrieb betreut. Handy aus, zehn Minuten früher da, Zeugnisse auf Papier dabei.

Probearbeiten. Im Handwerk und in der Gastronomie üblich: ein bis drei Tage mitlaufen. Das ist auch dein Test. Achte darauf, wie mit dem aktuellen Azubi gesprochen wird.

Nachfassen. Hörst du nach ein bis zwei Wochen nichts, ruf an oder schreib eine kurze Mail: ob die Bewerbung angekommen ist und ob ein Platz denkbar wäre. Bei kleinen Betrieben ist der Anruf oft der schnellere Weg, weil das Postfach nebenbei läuft. Einmal nachfassen ist freundlich, dreimal nicht.

Typische Fehler

  • Zu spät anfangen und zu früh aufhören. Im Herbst nur zwei Bewerbungen, im Frühjahr Panik. Besser: früh anfangen, dann in Ruhe weiterschreiben.
  • Nur online ausgeschriebene Stellen ansehen. Damit übersiehst du gerade die kleinen Betriebe, bei denen du die einzige Bewerbung wärst.
  • Derselbe Text an alle. Ein Anschreiben ohne einen einzigen Satz über diesen Betrieb liest sich wie ein Serienbrief, weil es einer ist.
  • Falscher Betriebsname im Text. Passiert beim Kopieren und ist sofort erledigt.
  • Unseriöse Mailadresse oder Mailbox-Ansage. Der Betrieb ruft zurück. Nimm eine Adresse aus Vor- und Nachnamen und hör die Mailbox ab.
  • Keine Ahnung vom Beruf. Wer auf „Was macht man da eigentlich?“ nichts sagen kann, wirkt beliebig. Zehn Minuten im Berufsbild der Bundesagentur reichen schon.
  • Nur ein Beruf, nur ein Betrieb. Halte einen zweiten, verwandten Beruf offen. Das ist kein Verrat an deinem Wunsch, sondern ein Plan B.