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Ratgeber

Jura-Praktikum: die praktische Studienzeit selbst organisieren

Wer Jura studiert, muss vor dem ersten Examen drei Monate in die Praxis. Die Plätze sucht jede und jeder selbst: in einer Kanzlei, bei Gericht, in einer Behörde oder in der Rechtsabteilung eines Unternehmens. Am 1. Januar 2026 waren in Deutschland 167.547 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zugelassen. Kanzleien gibt es also in jeder Stadt, auch dort, wo keine Großkanzlei ein Praktikantenprogramm ausschreibt.

Redaktion Easy Application · Stand

Kurz gesagt

Das Deutsche Richtergesetz schreibt mindestens drei Monate praktische Studienzeit in der vorlesungsfreien Zeit vor. Wie du sie aufteilst und wo, regelt dein Land: In NRW gehören mindestens vier Wochen in eine Verwaltungsstelle, in Bayern zählen Kanzleien ausdrücklich, Abschnitte dauern mindestens einen Monat. Betreuen muss dich eine Juristin oder ein Jurist. In der Kanzlei schreibst du an die Partnerin oder den Partner mit deinem Rechtsgebiet. Am Ende brauchst du eine Bescheinigung für die Zulassung zum Examen.

Was Bund und Länder vorschreiben

Laut § 5a Deutsches Richtergesetz soll das Studium die Praxis von Rechtsprechung, Verwaltung und Rechtsberatung berücksichtigen. Dafür gibt es „praktische Studienzeiten von insgesamt mindestens drei Monaten Dauer“ in der vorlesungsfreien Zeit. Die Länder füllen das unterschiedlich aus:

Praktische Studienzeit in drei Ländern (Stand Oktober 2026)
LandAufteilungPflichtstationen und StellenNachweis
Nordrhein-Westfalen (§ 8 JAG)drei Monate, in der Regel in zwei oder drei Teilenmindestens vier Wochen Rechtspflege oder Unternehmen der freien Wirtschaft, mindestens vier Wochen bei einer Stelle mit Verwaltungsaufgaben; bei drei Teilen höchstens vier Wochen nach WahlBescheinigung der Stelle, die zum Antrag auf Zulassung zur Prüfung gehört
Bayern (§ 25 JAPO)drei Monate, frühestens nach dem zweiten Semester, bis zu drei Abschnitte von mindestens einem Monatmindestens zwei Rechtsgebiete aus Zivil-, Straf- und öffentlichem Recht; unter anderem Gericht, Staatsanwaltschaft, Behörde, Rechtsanwaltskanzlei, Notariat, UnternehmenTeilnahmebestätigung mit Zeitraum und Rechtsgebiet
Berlin (JAO)13 Wochen, auch bei mehreren StellenGerichte, Staatsanwaltschaft, Verwaltung, Anwältinnen und Anwälte, Notariate, Rechtsabteilungen von Unternehmen, Verbänden und Gewerkschaften, im In- und AuslandBescheinigung; die Ausbilderin oder der Ausbilder muss Volljurist sein, eine Note gibt es nicht

Ausnahmen von der Regel kann das Justizprüfungsamt zulassen, in NRW auf Antrag. Für die anderen Länder gilt ebenfalls: Lies das Merkblatt deines Justizprüfungsamts, bevor du zusagst. Die Regeln entscheiden, ob die Kanzlei als Station zählt.

Kanzlei, Gericht oder Verwaltung

Bei Gerichten und Behörden fragst du zuerst nach dem Verfahren. Für Praktika gibt es dort meist eine zuständige Stelle in der Verwaltung. Bei Kanzleien ist es anders: Eine kleine Kanzlei hat dafür meist weder ein Programm noch eine Ausschreibung. Ob sie jemanden nimmt, entscheidet sie, wenn jemand fragt. Deshalb ist hier die Initiativbewerbung der übliche Weg.

Wähle die Kanzlei nach Rechtsgebiet. Wer Arbeitsrecht mag, schreibt an Kanzleien mit Fachanwältinnen für Arbeitsrecht, wer ins Familienrecht will, an solche mit diesem Schwerpunkt. In Bayern brauchst du über die ganze Zeit ohnehin mindestens zwei Rechtsgebiete. Plane die Abschnitte so, dass beide vorkommen.

In NRW sagt das Gesetz nicht ausdrücklich, ob eine Kanzlei zur „Rechtspflege“ zählt. Frag beim Justizprüfungsamt nach, bevor du die vier Wochen dort einplanst. Die Wahlstation von höchstens vier Wochen kannst du in jedem Fall in einer Kanzlei machen, wenn dort eine sachgerechte Ausbildung möglich ist.

An wen du in der Kanzlei schreibst

In kleinen Kanzleien schreibst du an die Inhaberin oder den Inhaber, in Partnerschaften an die Partnerin oder den Partner, deren Rechtsgebiet zu dir passt. Die Namen stehen auf der Website, meist mit Fachanwaltstitel. Größere Kanzleien nennen manchmal eine Ansprechperson für Referendariat und Praktikum. Schreib an eine Person mit Namen, nicht an „info@“, wenn du die Wahl hast.

Verschwiegenheit und Unterlagen

Anwältinnen und Anwälte sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Wer im Rahmen einer berufsvorbereitenden Tätigkeit mitarbeitet, steht ihren Beschäftigten gleich und wird in Textform zur Verschwiegenheit verpflichtet (§ 43a Bundesrechtsanwaltsordnung). Rechne also damit, am ersten Tag eine Erklärung zu unterschreiben. In Bayern verpflichtet dich die Ausbildungsordnung zusätzlich selbst dazu.

Was in den Anhang gehört:

  • Lebenslauf als PDF
  • Immatrikulationsbescheinigung
  • Leistungsübersicht oder Scheine, wenn sie zu deinem Wunschgebiet passen, zum Beispiel eine gute Hausarbeit im Arbeitsrecht

Pflichtpraktika nach einer Studien- oder Prüfungsordnung sind vom Mindestlohn ausgenommen (§ 22 Mindestlohngesetz). Ob eine Kanzlei etwas zahlt, entscheidet sie selbst. Frag danach im Gespräch, nicht in der ersten Mail.

Betreffzeilen

Kanzleien bekommen viele Mails mit Fristen. Ein Betreff, der in einer Zeile sagt, was du willst, wird schneller gelesen.

  • Bewerbung um ein Praktikum bei [Name der Kanzlei]
  • Praktische Studienzeit (§ 5a DRiG), ein Monat ab [Datum]
  • Pflichtpraktikum Jura im Arbeitsrecht, [August 2027]
  • Anfrage Praktikum, Rechtswissenschaft 5. Semester, [Zeitraum]
  • Schülerpraktikum in Ihrer Kanzlei vom [Datum] bis [Datum]

Muster-Mail für die praktische Studienzeit

Ein Monat praktische Studienzeit in der Kanzlei

Betreff: Bewerbung um ein Praktikum bei [Name der Kanzlei]

Guten Tag Herr [Nachname des Partners], für den Zeitraum von [2. August bis 31. August 2027] bewerbe ich mich bei [Name der Kanzlei] um ein Praktikum im Bereich Arbeitsrecht. Ich studiere an der [Universität …]. Kurz zu mir: [Rechtswissenschaft im 5. Semester, Hausarbeit zum Kündigungsschutz]. Das Praktikum ist ein Abschnitt meiner praktischen Studienzeit nach § 25 JAPO und umfasst [einen Monat in Vollzeit]. Die Teilnahmebestätigung mit Zeitraum und Rechtsgebiet stellen Sie am Ende aus; eine Vorlage bringe ich mit. Im Anhang finden Sie meinen Lebenslauf, meine Zeugnisse und meine Immatrikulationsbescheinigung. Gern erläutere ich Ihnen meine Interessen und die Rahmenbedingungen des Praktikums in einem Gespräch. Freundliche Grüße [Dein Vor- und Nachname]

Kanzleien stehen in Easy Application unter „Recht & Steuer“. Der Einstiegssatz nennt dort „im Bereich Recht und Steuern“. Für eine Anwaltskanzlei setzt du im Text dein Rechtsgebiet ein, wie hier „Arbeitsrecht“. Die Tonlage „Klassisch & formell“ passt zu Kanzleien.

Aufbau und feste Sätze stammen aus der Vorlage von Easy Application („Klassisch & formell“). Betriebsname und Anrede setzt die App für jeden Betrieb ein, den Satz zu den Unterlagen nach dem, was wirklich mitgeht. Was in Klammern steht, schreibst du selbst.

Nachfassen

Kommt nach ein bis zwei Wochen keine Antwort, ruf im Sekretariat an. Frag, ob deine Mail bei der richtigen Person angekommen ist und ob für deinen Zeitraum ein Platz denkbar ist. Easy Application zeigt dir, welche Kanzleien noch nicht geantwortet haben, und bereitet eine kurze Nachfrage vor. Auch die prüfst du, bevor sie rausgeht.

Typische Fehler

  • In NRW drei Monate Kanzlei geplant und die Verwaltungsstation vergessen.
  • In Bayern einen Abschnitt von drei Wochen eingeplant. Ein Abschnitt dauert mindestens einen Monat.
  • Die Betreuung macht eine Person ohne zweites Examen. In Berlin muss die Ausbilderin oder der Ausbilder Volljurist sein.
  • Die Bescheinigung nennt das Rechtsgebiet nicht, obwohl das Prüfungsamt es verlangt. Bring die Vorlage deines Landes mit.
  • Eine Mail an zwanzig Kanzleien im offenen Verteiler. Anwältinnen und Anwälte achten auf Vertraulichkeit. Ein offener Verteiler zeigt, dass du darauf nicht achtest.

Schülerpraktikum und Ausbildung in der Kanzlei

Auch Schülerinnen und Schüler fragen Kanzleien an. Die Rechtsanwaltskammer München nennt für ein Schülerpraktikum eine übliche Dauer von zwei bis drei Wochen. Sie empfiehlt den Kanzleien vorab ein Gespräch mit der Bewerberin oder dem Bewerber. Easy Application kannst du ab 16 Jahren nutzen.

Wer statt Jura eine Ausbildung zur oder zum Rechtsanwaltsfachangestellten machen will, bewirbt sich direkt bei Kanzleien. Die Ausbildung dauert drei Jahre, zuständige Stelle ist die Rechtsanwaltskammer. Dafür gilt der Ratgeber Ausbildungsplatz.

Wo du Kanzleien findest

Das bundesweite amtliche Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer listet alle zugelassenen Anwältinnen und Anwälte mit Kanzleianschrift. Fachanwaltstitel findest du bei den regionalen Rechtsanwaltskammern. Manche Kammern führen außerdem Listen von Kanzleien, die Praktika anbieten, die Kammer München etwa für Schülerpraktika.

In Easy Application: Bereich „Recht & Steuer“, genauer „Anwaltskanzlei“, „Arbeitsrecht“ oder „Familien- & Erbrecht“. Als Art der Bewerbung passt „Praktikum“ (unter „Ich studiere“).

Wählst du ein Rechtsgebiet als Richtung, stehen die Kanzleien oben, die es selbst nennen. Dann setzt die App in deine Mail einen Satz wie „Besonders interessiert mich bei Ihnen das Thema Arbeitsrecht.“

Häufige Fragen

Wie lange dauert das Pflichtpraktikum im Jurastudium?

Mindestens drei Monate in der vorlesungsfreien Zeit, verteilt auf mehrere Abschnitte. Berlin rechnet mit 13 Wochen.

Wie ist das Jura-Pflichtpraktikum in NRW aufgeteilt?

Drei Monate in zwei oder drei Teilen: mindestens vier Wochen Rechtspflege oder ein Unternehmen, mindestens vier Wochen Verwaltung, bei drei Teilen höchstens vier Wochen nach Wahl.

Zählt ein Praktikum in einer Großkanzlei?

Ja, wie jede Kanzlei, sofern dein Land die Rechtsberatung als Station zulässt und eine Volljuristin oder ein Volljurist dich betreut. Bayern nennt Rechtsanwaltskanzleien ausdrücklich.

Wer stellt die Bescheinigung für die praktische Studienzeit aus?

Die Stelle, bei der du warst. Manche Justizprüfungsämter haben dafür ein Formular. Bring es am letzten Tag mit.

Wird das Jura-Praktikum bezahlt?

Als Pflichtpraktikum fällt es nicht unter den Mindestlohn. Manche Kanzleien zahlen trotzdem etwas, das ist Verhandlungssache.

Quellen

Abgerufen und geprüft im Oktober 2026. Gesetze und Ordnungen ändern sich: Maßgeblich ist, was deine Schule, Hochschule oder Kammer vorgibt.