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Auslandspraktikum · Österreich

Praktikum in Österreich: Betriebe finden und richtig bewerben

Österreich wirkt vertraut, aber einiges ist anders: akademische Titel in der Anrede, ein Kollektivvertrag, der in Hotellerie und Handel auch Pflichtpraktikanten Geld zusichert, und ein Meldezettel drei Tage nach dem Einzug. Hier steht, was du für ein Erasmus+-Praktikum in Österreich wissen musst.

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Das Wichtigste in Kürze

Sprache
Deutsch, Aufbau ähnlich wie in Deutschland.
Anrede
Mit Titel, wenn bekannt: „Sehr geehrte Frau Mag. Huber“.
Bezahlung
Hängt von Ausgestaltung und Branche ab. In Hotellerie und Gastgewerbe gilt immer der Kollektivvertrag, im Handel bekommen Studierende mindestens das Lehrlingseinkommen des 3. Lehrjahrs.
Anmelden
Meldezettel innerhalb von drei Tagen; bei mehr als drei Monaten zusätzlich die Anmeldebescheinigung innerhalb von vier Monaten.
Erasmus+
Ländergruppe 1: 750 € im Monat, dazu eine Reisepauschale.

Initiativbewerbung in Österreich: so ist es üblich

Bewerbungen an Betriebe, die nichts ausgeschrieben haben, sind in Österreich üblich, schreibt EURES, die Arbeitsvermittlung der EU. Das Arbeitsmarktservice (AMS) sieht darin „großes Engagement und Interesse“. Fast alle Bewerbungen gehen per E-Mail oder online, und zwar auf Deutsch.

  • Anrede mit Titel. Führt die Person auf der Website einen akademischen Titel, gehört er in die Anrede. Das AMS-Muster beginnt mit „Sehr geehrte Frau Mag. Muster!“; das Rufzeichen ist in Österreich üblich, ein Komma ist genauso richtig. Ohne Namen: „Sehr geehrte Damen und Herren“. In großen Betrieben lohnt es sich, die Kontaktperson vorher zu erfragen.
  • Betreff: klar, mit dem, was du suchst, und deinem Namen (AMS).
  • E-Mail-Text: kurz. Anschreiben und Unterlagen als PDF im Anhang, alles zusammen höchstens 5 MB, keine ZIP-Datei.
  • Schluss: förmlich, „Mit freundlichen Grüßen“.

Lebenslauf

Tabellarisch, ein bis höchstens zwei A4-Seiten, das Neueste zuerst. Ein Foto ist üblich, aber keine Pflicht: Nach dem Gleichbehandlungsgesetz darf kein Arbeitgeber darauf bestehen. Geburtsdatum und andere persönliche Daten kannst du angeben, musst du aber nicht. Zur vollständigen Bewerbung zählt EURES außerdem Zeugniskopien und, wenn vorhanden, Empfehlungsschreiben. Wie eine Initiativbewerbung grundsätzlich aufgebaut ist, steht im Ratgeber Initiativbewerbung.

Muster-Mail für Österreich

Mit diesem Text startet Easy Application, wenn du ein Erasmus+-Praktikum in Österreich suchst, hier für den Bereich Gastronomie und Hotellerie. Es ist die Vorlage, die tatsächlich verschickt wird. Ändern kannst du sie im Text-Schritt.

Muster-Mail auf Deutsch
BetreffBewerbung um ein Auslandspraktikum bei «Name des Betriebs»

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich suche von März bis Juni 2027 ein Auslandspraktikum im Bereich Gastronomie und Hotellerie und würde es gern bei «Name des Betriebs» machen. Ich möchte mein Wissen praktisch anwenden und erleben, wie in einem anderen Land gearbeitet wird.

Ich studiere im vierten Semester Tourismusmanagement an der Hochschule München. Das Praktikum ist ein Pflichtteil meines Studiums, und ich habe bereits zwei Sommer im Service eines Hotels gearbeitet.

Ich plane, für das Praktikum eine Erasmus+-Förderung zu beantragen.

Im Anhang finden Sie meinen Lebenslauf.

Kommt ein Praktikum in diesem Zeitraum für Sie infrage? Die organisatorischen Details würde ich gern mit Ihnen abstimmen.

Freundliche Grüße «Dein Name»

Blau setzt Easy Application ein: je Betrieb Name, Ort und Anrede, aus deinen Angaben Zeitraum, Unterlagen und Förderung.Gelb schreibst du selbst (hier ein Beispiel).

Was du anpassen solltest

  • Den Betreff. Das AMS empfiehlt Betreffzeilen mit Stelle und Namen, etwa: „Bewerbung um ein Auslandspraktikum (Hotellerie), März bis Juni 2027, Vorname Nachname“.
  • „Pflichtpraktikum“ nennen, wenn es eins ist. Für den Betrieb entscheidet das mit darüber, ob ein Ausbildungs- oder ein Dienstverhältnis entsteht.
  • Die Anrede mit Namen. Kennt die App die Ansprechperson, beginnt sie mit „Guten Tag“ und dem Namen. In Österreich ist bei einer ersten Bewerbung „Sehr geehrte Frau Mag. Huber“ oder „Sehr geehrter Herr Dr. Berger“ üblicher; du kannst die Anrede im Text-Schritt ersetzen.

Wird das Praktikum bezahlt? Pflichtpraktikum, Dienstverhältnis, Kollektivvertrag

Entscheidend ist, wie das Praktikum tatsächlich abläuft, nicht wie der Vertrag heißt. Steht der Ausbildungszweck im Vordergrund, ist ein Pflichtpraktikum kein Arbeitsverhältnis. Musst du dagegen feste Aufgaben erledigen, Weisungen befolgen und bist eingegliedert wie andere Beschäftigte, entsteht ein Dienstverhältnis, und dann gilt der Kollektivvertrag der Branche.

FallWas gilt (Stand 2026)
Hotel- und GastgewerbeEin Volontariat ist ausgeschlossen. Ein Pflichtpraktikum ist immer ein Dienstverhältnis mit Bezahlung nach Kollektivvertrag.
HandelPflichtpraktikanten fallen unter den Kollektivvertrag Handel. Studierende von Universitäten, Fachhochschulen und Hochschulen bekommen mindestens das Lehrlingseinkommen des 3. Lehrjahrs (bei 38,5 Wochenstunden).
Manche andere BranchenEinige Kollektivverträge nehmen Pflichtpraktikanten aus, etwa der Rahmen-KV für Angestellte im Gewerbe, Handwerk und Dienstleistung. Dann ist die Bezahlung frei vereinbar.
Jede BezahlungSchon ein Taschengeld macht das Praktikum zum Dienstverhältnis. Der Betrieb meldet dich dann vor dem ersten Tag bei der Krankenversicherung an. Bis zur Geringfügigkeitsgrenze von 551,10 € im Monat (2026) bist du nur unfallversichert.
UnbezahltEin unbezahltes Pflichtpraktikum muss nicht zur Sozialversicherung gemeldet werden.

Offen: Ob die Regeln für Pflichtpraktika an österreichischen Hochschulen genauso für ein Pflichtpraktikum aus einem deutschen Studiengang gelten, sagen die Quellen nicht ausdrücklich. Welche Entgeltstufe der Kollektivvertrag im Gastgewerbe für Hochschulpraktikanten vorsieht, ist ebenfalls nicht amtlich beschrieben. Frag den Betrieb, bevor du unterschreibst.

Erasmus+-Förderung für Österreich

750 €im Monat für ein Praktikum in Österreich
3.000 €für vier Monate, ohne Reisepauschale
+ 250 €im Monat, z. B. mit Kind oder aus nicht-akademischem Elternhaus

Österreich gehört zur Ländergruppe 1 (höhere Lebenshaltungskosten). Der Satz setzt sich aus 600 € Grundbetrag und 150 € Praktikumszuschlag zusammen (Förderprojekte der Aufrufe 2025 und 2026). Dazu kommt eine Reisepauschale nach Entfernung. Verbindlich entscheidet deine Hochschule, auch darüber, wie viele Monate sie fördert.

Förderung für dein Praktikum ausrechnen

Anmelden, versichern

Innerhalb von drei Tagen nach dem Einzug meldest du deinen Wohnsitz bei der Meldebehörde an (Meldezettel); per E-Mail geht das nicht. Bleibst du länger als drei Monate, zeigst du das innerhalb von vier Monaten ab der Einreise der Aufenthaltsbehörde an und bekommst die Anmeldebescheinigung. Für eine Ausbildung brauchst du dafür eine Krankenversicherung und ausreichende Mittel. Ein Praktikum von März bis Juni ist schon länger als drei Monate.

Mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) behandeln dich Ärztinnen und Ärzte mit Vertrag der Österreichischen Gesundheitskasse kostenlos. Bei Wahlärzten ohne Kassenvertrag zahlst du selbst und bekommst bis zu 80 % des Kassentarifs zurück. Im Krankenhaus fällt für die ersten 28 Tage ein Tagesbeitrag an, je nach Bundesland verschieden. Die Rezeptgebühr beträgt 2026 7,55 €. Notruf: 144 oder 112.

Bei der Unfallversicherung ist Vorsicht angebracht: Die österreichische Studierenden-Unfallversicherung gilt für Studierende aus der EU nur, wenn Österreich für sie zuständig ist, und das richtet sich meist nach dem Wohnsitz. Wohnst du in Deutschland, kläre über deine Hochschule und das Learning Agreement, wer dich gegen Unfall und Haftpflicht versichert; Erasmus+ verlangt beides.

Wo du Betriebe findest

  • AMS „alle jobs“ und der eJob-Room: die Jobsuche des AMS, auch mit Stellen von Firmenwebsites.
  • WKO Firmen A–Z: das Verzeichnis aller Mitgliedsbetriebe der Wirtschaftskammer. Für Azubis zeigt die Lehrbetriebsübersicht der WKO, welche Betriebe ausbilden.
  • Für Tourismus und Gastronomie nennt EURES die Börse gastrojobs.at.
  • Easy Application: Betriebe mit E-Mail-Adresse in deinem Bereich und deinen Städten.

Branchen und Saison

Der Tourismus erwirtschaftete 2024 direkt 4,4 % des Bruttoinlandsprodukts und stand für rund 223.400 Beschäftigungsverhältnisse (Statistik Austria, vorläufig). Die Wintersaison 2025/26 brachte mit 74,23 Millionen Nächtigungen einen Rekord; Tirol und Salzburg hatten zusammen 57,8 % davon, und Gäste aus Deutschland waren der größte Auslandsmarkt. Die Wintersaison zählt Statistik Austria von November bis April, die Sommersaison von Mai bis Oktober. Ein Praktikum von März bis Juni reicht also über den Saisonwechsel; frag in Saisonbetrieben nach, ob sie in der Zwischenzeit offen haben.

Laut EURES arbeiteten 2022 die meisten Beschäftigten im Handel (19,7 %) und im verarbeitenden Gewerbe (19,6 %), gefolgt von Bau (9,8 %) und Gastgewerbe (8,6 %). Am stärksten gesucht werden Fachkräfte für Informations- und Kommunikationstechnik.

Häufige Fragen

Muss ich in einem österreichischen Hotel bezahlt werden?

Nach den österreichischen Regeln ja: Im Hotel- und Gastgewerbe ist ein Pflichtpraktikum immer ein Dienstverhältnis mit Bezahlung nach Kollektivvertrag; ein Volontariat ist dort ausgeschlossen. Wie viel genau, klärst du mit dem Betrieb.

Brauche ich einen Meldezettel für ein Praktikum?

Ja, sobald du in Österreich wohnst: innerhalb von drei Tagen nach dem Einzug. Ab drei Monaten Aufenthalt kommt die Anmeldebescheinigung dazu.

Gehört ein Foto in den Lebenslauf?

Üblich ja, Pflicht nein. Ein Arbeitgeber darf nicht darauf bestehen.

Wie viel Erasmus+-Förderung gibt es für Österreich?

Österreich gehört zur Ländergruppe 1: 750 € im Monat für ein Praktikum, dazu eine Reisepauschale. Deine Summe zeigt der Förderrechner.

Quellen

Alle Angaben haben wir am 25. Oktober 2026 bei diesen Stellen geprüft. Regeln und Beträge ändern sich; im Zweifel gilt, was dort steht und was deine Hochschule sagt.

  1. Initiativbewerbung: Vorlage und Hinweise (AMS, Arbeitsmarktservice Österreich)
  2. E-Mail-Bewerbung: Betreff, Text, Anhänge (AMS)
  3. Der ansprechende Lebenslauf: Länge, Foto, persönliche Daten (AMS)
  4. Volontäre: Unfallversicherung, Hotel- und Gastgewerbe, Geringfügigkeitsgrenze 2026 (Unternehmensserviceportal des Bundes)
  5. Ferialpraktikanten: Einordnung nach tatsächlicher Ausgestaltung (Unternehmensserviceportal des Bundes)
  6. Pflichtpraktikant: arbeitsrechtliche Einordnung und Kollektivverträge (Wirtschaftskammer Österreich)
  7. Pflichtpraktikum im Handel: Vergütung für Studierende (Wirtschaftskammer Niederösterreich)
  8. Unfallversicherung für Studierende (2025): Zuständigkeit bei EU-Studierenden (AUVA, Allgemeine Unfallversicherungsanstalt)
  9. EU-Bürgerinnen und EU-Bürger: Meldezettel und Anmeldebescheinigung (oesterreich.gv.at, Amtshelfer der Bundesregierung)
  10. Europäische Krankenversicherungskarte in Österreich: was sie abdeckt (Europäische Kommission)
  11. Living and working conditions: Austria (Bewerbung, Lebenslauf, Praktika) (EURES, Europäische Arbeitsbehörde)
  12. Labour market information: Austria (Branchen, Engpassberufe) (EURES, Europäische Arbeitsbehörde)
  13. Tourismus-Satellitenkonto 2024: Anteil am BIP und Beschäftigung (Statistik Austria)
  14. Ankünfte und Nächtigungen: Wintersaison 2025/26 (Statistik Austria)
  15. AMS „alle jobs“: Jobsuche (AMS)
  16. Firmen A–Z: Verzeichnis der Mitgliedsbetriebe (Wirtschaftskammer Österreich)
  17. Erasmus+ Mobilität von Einzelpersonen (KA131): monatliche Förderraten 600 € und 540 € (Nationale Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit im DAAD)
  18. Erasmus+-Programmleitfaden: Mobilität in der Hochschulbildung (Ländergruppen, Zuschläge, Reisepauschalen) (Europäische Kommission)
  19. Erasmus+-Praktikumsförderung: Sätze der Förderprojekte 2025 und 2026, Gehaltsgrenze (Career Service der Universität Münster)
  20. Leitfaden zum Learning Agreement for Traineeships: Unfall- und Haftpflichtversicherung (Europäische Kommission)