Ratgeber
Praktikum im Handwerk: Betrieb finden, Prämie nutzen, Ausbildung starten
Über eine Million Betriebe stehen in den Handwerksrollen, laut Zentralverband des Deutschen Handwerks 1.038.126 zum Ende des Jahres 2025. Im Schnitt arbeiten in einem Handwerksunternehmen elf Menschen, meldet das Statistische Bundesamt. Über ein Praktikum entscheidet dort die Meisterin oder der Meister selbst. Und ein Praktikum ist im Handwerk ein üblicher Weg in die Ausbildung: Beide Seiten sehen, ob es passt.
Redaktion Easy Application · Stand
Kurz gesagt
Schreib direkt an die Inhaberin oder den Inhaber, kurz und mit Zeitraum. In Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein bekommen Schülerinnen und Schüler ab 15 für ein freiwilliges Ferienpraktikum im Handwerk 120 € pro Woche, beantragt bei der Handwerkskammer. Für eine Ausbildung schreibt das Gesetz keinen bestimmten Schulabschluss vor. Klappt es nicht gleich, ist eine Einstiegsqualifizierung von vier bis zwölf Monaten ein Weg in den Betrieb.
Wie Handwerksbetriebe Praktikanten nehmen
99,5 Prozent der Handwerksunternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen. Eine Personalabteilung haben die wenigsten. Die Meisterin oder der Meister liest deine Mail meist selbst, zwischen Kundenterminen und Baustelle. Deshalb gilt: kurz, klar, mit Zeitraum und Telefonnummer. Biete an, für einen Probetag vorbeizukommen. Für einen kleinen Betrieb ist das die einfachste Art, dich kennenzulernen.
Die Zahlen von Zentralverband und Bundesamt unterscheiden sich, weil sie verschieden zählen: Der Verband zählt alle eingetragenen Betriebe, das Bundesamt rund 564.000 Unternehmen ausgewählter Handwerke. Für dich heißt beides dasselbe: In deiner Nähe gibt es viele Betriebe, und die meisten sind klein.
Praktikumsprämie: 120 € pro Woche in vier Ländern
Einige Länder zahlen Schülerinnen und Schülern eine Prämie für ein freiwilliges Ferienpraktikum im Handwerk. Beantragt wird sie bei der Handwerkskammer, meist vor dem Start. Stand Oktober 2026:
| Land | Prämie | Dauer | Bedingungen |
|---|---|---|---|
| Sachsen-Anhalt | 120 € pro Woche, bis 480 € im Jahr | eine bis vier Wochen im Jahr | ab 15, in den Ferien, freiwillig; auch Grüne Berufe; Antrag über die Handwerkskammern Halle oder Magdeburg |
| Thüringen | 120 € pro Woche | bis vier Wochen im Jahr, mindestens 35 Stunden pro Woche | ab 15, außerhalb der Schulzeit; ausbildungsberechtigter Betrieb in Thüringen, nicht bei Eltern oder anderen Verwandten ersten Grades; Anmeldung für 2026 offen |
| Mecklenburg-Vorpommern | 120 € pro Woche | höchstens drei Wochen im Jahr | ab 15, nur Ferien, keine Pflichtpraktika; Antrag online bei der Handwerkskammer, Vertrag spätestens eine Woche vor Beginn; Auszahlung danach; Seite vom Juli 2025 |
| Schleswig-Holstein | 120 € für ein Praktikum von mindestens fünf Tagen | höchstens zwei Wochen im Jahr | ab 15, Schule in Schleswig-Holstein; Antrag vor Beginn; nicht im Betrieb der Eltern; „Praktikumsprämie 2026“ |
Prüf vor dem Antrag die Seite deiner Kammer. Programme laufen jahresweise und können sich ändern. Ferienarbeit ist für schulpflichtige Jugendliche ohnehin auf vier Wochen im Jahr begrenzt (§ 5 Jugendarbeitsschutzgesetz).
Easy Application kannst du ab 16 Jahren nutzen. Bist du 15, schreib die Mail selbst oder mit deinen Eltern. Die Tipps auf dieser Seite gelten trotzdem.
Vom Praktikum zur Ausbildung
Für eine duale Ausbildung ist „rein rechtlich kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben“, schreibt die IHK Rhein-Neckar. Viele Betriebe haben trotzdem eigene Erwartungen. Ein Praktikum zeigt ihnen mehr als ein Zeugnis: ob du pünktlich bist, mitdenkst und anpackst.
Ausbildungen beginnen meistens am 1. August oder 1. September, ein späterer Start ist aber möglich. Freie Lehrstellen zeigt der Lehrstellen-Radar der Handwerkskammern, auch als App. Findest du keinen Ausbildungsplatz, kann eine Einstiegsqualifizierung helfen: Du arbeitest vier bis zwölf Monate im Betrieb und bereitest dich auf einen anerkannten Ausbildungsberuf vor. Die Arbeitsagentur kann dem Betrieb dafür einen Zuschuss zahlen (§ 54a SGB III). Wie du dich um einen Ausbildungsplatz bewirbst, steht im Ratgeber Ausbildungsplatz.
Zum Geld: Für Jugendliche unter 18 ohne Berufsabschluss gilt das Mindestlohngesetz nicht. Ein Schulpraktikum wird meist nicht bezahlt. Die Prämie oben kommt vom Land, nicht vom Betrieb.
Was in die Mail gehört
- Welcher Beruf dich interessiert, etwa Tischlerin, Elektroniker oder Anlagenmechanikerin.
- Zeitraum und ob es ein Schul-, Ferien- oder Pflichtpraktikum ist.
- Was du schon gemacht hast: zu Hause gebaut, repariert, mit Holz oder Technik gearbeitet. Ein Satz reicht.
- Als Anhang den Lebenslauf und dein letztes Zeugnis. handwerk.de nennt außerdem Bescheinigungen über Praktika, Kurse oder Nebenjobs.
- Deine Telefonnummer. Manche Betriebe rufen lieber an, als zu schreiben.
Betreffzeilen
- Bewerbung um einen Ausbildungsplatz bei [Name des Betriebs]
- Ferienpraktikum vom [Datum] bis [Datum], Praktikumsprämie [Land]
- Ausbildung zur Tischlerin ab 1. August [2027], gern vorher ein Praktikum
- Praktikum Elektroniker in den [Sommerferien 2027]
- Anfrage Einstiegsqualifizierung als [Beruf] ab [Datum]
Muster-Mail für Ausbildung mit Praktikum vorab
Ausbildungsplatz, vorher ein Praktikum
Betreff: Bewerbung um einen Ausbildungsplatz bei [Name des Betriebs]
Hier die Tonlage „Kurz & klar“ für einen Ausbildungsplatz. Den Beruf trägst du einmal in deinen Angaben ein, dann steht er im Einstiegssatz. Der zweite Absatz mit dem Praktikum ist dein eigener Satz.
Aufbau und feste Sätze stammen aus der Vorlage von Easy Application („Kurz & klar“). Betriebsname und Anrede setzt die App für jeden Betrieb ein, den Satz zu den Unterlagen nach dem, was wirklich mitgeht. Was in Klammern steht, schreibst du selbst.
Nachfassen
Im Handwerk hilft ein Anruf mehr als eine zweite Mail. Ruf nach einer Woche früh morgens an, bevor alle auf der Baustelle sind, oder geh in die Werkstatt. Frag, ob deine Mail angekommen ist. Easy Application zeigt dir, welche Betriebe noch nicht geantwortet haben, und bereitet auf Wunsch eine kurze Nachfrage vor, die du vor dem Senden prüfst.
Typische Fehler
- Ein langes Anschreiben statt fünf klarer Sätze.
- Keine Telefonnummer in der Mail.
- Die Prämie erst nach dem Praktikum beantragt. In Schleswig-Holstein muss der Antrag vorher bei der Kammer sein.
- Kein Beruf genannt: „irgendwas mit Handwerk“ hilft dem Betrieb nicht.
- Im elterlichen Betrieb das geförderte Praktikum geplant. Das schließen Thüringen und Schleswig-Holstein aus.
Wo du Handwerksbetriebe findest
Die Handwerkskammern führen Betriebsverzeichnisse und den Lehrstellen-Radar. Innungen listen ihre Mitglieder. Viele kleine Betriebe findest du nur über die Karte oder über ihre Fahrzeuge und Baustellenschilder in deiner Nachbarschaft.
In Easy Application: Bereich „Handwerk“, genauer „Tischlerei & Schreinerei“, „Elektro“, „Sanitär, Heizung & Klima“ oder „Kfz-Mechatronik“. Als Art der Bewerbung passt „Ausbildungsplatz“ (unter „Ich will arbeiten“) oder „Praktikum“ (unter „Ich bin Azubi“).
Wählst du eine Richtung wie „Tischlerei & Schreinerei“, stehen die Betriebe oben, die genau das machen. Betriebe anderer Gewerke folgen darunter.
Häufige Fragen
Wo gibt es 120 € für ein Praktikum im Handwerk?
Stand Oktober 2026 in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern je Woche und in Schleswig-Holstein je Praktikum von mindestens fünf Tagen. Voraussetzung ist meist: ab 15, Schülerin oder Schüler, freiwilliges Ferienpraktikum, Antrag bei der Handwerkskammer.
Wie lange gibt es die Praktikumsprämie in Mecklenburg-Vorpommern?
Für höchstens drei Wochen im Jahr, 120 € pro Woche. Den Vertrag reichst du spätestens eine Woche vor Beginn bei der Kammer ein, ausgezahlt wird danach.
Kann man ohne Schulabschluss eine Ausbildung im Handwerk machen?
Rechtlich ja, das Berufsbildungsgesetz schreibt keinen Abschluss vor. Viele Betriebe erwarten trotzdem einen. Ein Praktikum kann dich überzeugender machen als jedes Zeugnis.
Was ist eine Einstiegsqualifizierung?
Ein Langzeitpraktikum von vier bis zwölf Monaten, das auf einen anerkannten Ausbildungsberuf vorbereitet. Die Arbeitsagentur kann den Betrieb dabei unterstützen. Wollen beide Seiten, kannst du danach im selben Betrieb die Ausbildung beginnen.
Wird ein Praktikum im Handwerk bezahlt?
Schulpraktika meist nicht. Für unter 18-Jährige ohne Berufsabschluss gilt der Mindestlohn nicht. Die Länderprämie zahlt das Land, nicht der Betrieb.
Quellen
- Zentralverband des Deutschen Handwerks: Betriebe und Lehrlinge, Stand 31.12.2025
- Statistisches Bundesamt: Struktur des Handwerks 2024
- Sachsen-Anhalt: Praktikumsprämie für Ferienpraktika (ichmachpraktikum.de)
- Handwerkskammer Erfurt: Praktikumsprämie Thüringen
- Handwerkskammer Schwerin: Ferienpraktikum mit Prämie (Mecklenburg-Vorpommern)
- Handwerkskammer Flensburg: Praktikumsprämie 2026 (Schleswig-Holstein)
- Jugendarbeitsschutzgesetz § 5: Ferienarbeit höchstens vier Wochen im Jahr
- Mindestlohngesetz § 22: Jugendliche ohne Berufsabschluss, Einstiegsqualifizierung
- SGB III § 54a: Einstiegsqualifizierung
- IHK Rhein-Neckar: duale Ausbildung ohne vorgeschriebenen Schulabschluss
- Zentralverband des Deutschen Handwerks: Lehrstellen-Radar
- handwerk.de: Tipps zur Bewerbung und zu den Anlagen
Abgerufen und geprüft im Oktober 2026. Gesetze und Ordnungen ändern sich: Maßgeblich ist, was deine Schule, Hochschule oder Kammer vorgibt.