Ratgeber
Praktikum in der Steuerkanzlei: so bewirbst du dich initiativ
Zwei Drittel der Steuerberatungspraxen in Deutschland sind Einzelpraxen. Die Bundessteuerberaterkammer zählte zum 1. Januar 2026 genau 36.167 davon. In so einer Kanzlei gibt es keine Personalabteilung. Über deine Anfrage entscheidet die Steuerberaterin oder der Steuerberater, dem die Kanzlei gehört. Deshalb lohnt es sich, direkt und gut vorbereitet zu fragen.
Redaktion Easy Application · Stand
Kurz gesagt
Schreib direkt an die Steuerberaterin oder den Steuerberater, der Name steht im Impressum. Nenne Zeitraum, Umfang und was du schon kannst, etwa Buchführung aus dem Studium oder der Schule. Meide für ein Praktikum die Wochen vor den großen Abgabefristen, mit Berater meist Ende Februar des übernächsten Jahres. Am ersten Tag unterschreibst du eine Erklärung zur Verschwiegenheit. Für die Ausbildung zur oder zum Steuerfachangestellten bewirbst du dich genauso, sie dauert drei Jahre.
Wie Steuerkanzleien Praktikanten nehmen
Laut Berufsstatistik gab es zum 1. Januar 2026 in Deutschland 89.549 Steuerberaterinnen und Steuerberater. In einer kleinen Kanzlei entsteht ein Praktikum oft so: Jemand fragt, die Inhaberin schaut auf den Zeitraum und darauf, ob gerade jemand Zeit für eine Einarbeitung hat, und sagt zu oder ab.
Für dich heißt das: Je klarer deine Mail, desto leichter die Entscheidung. Eine Kanzlei kann schnell beantworten, ob in deinem Zeitraum Platz ist. Mit einem offenen „Haben Sie vielleicht irgendwann etwas für mich?“ kann sie nichts planen.
Wann du anfragst
Erstellt eine Kanzlei die Steuererklärung für ihre Mandanten, gilt eine längere Frist: grundsätzlich bis zum letzten Tag im Februar des übernächsten Jahres (§ 149 Abs. 3 Abgabenordnung). Für das Steuerjahr 2025 ist das Ende Februar 2027. Rund um diese Frist und um die Jahresabschlüsse ist in vielen Kanzleien besonders viel zu tun. Für Einarbeitung bleibt dann wenig Zeit.
Plane ein freiwilliges Praktikum deshalb lieber für den Sommer oder Herbst und frag einige Wochen vorher. Ist dein Zeitraum durch das Studium festgelegt, schreib früh und sag dazu, dass du dich in der Zeit nützlich machen willst, etwa beim Vorbereiten von Belegen.
An wen du schreibst
Wer die Kanzlei führt, steht im Impressum der Website. Steuerberater gehören zu den reglementierten Berufen. Dort müssen sie auch ihre Kammer und die Berufsbezeichnung nennen (§ 5 Digitale-Dienste-Gesetz). In einer Einzelpraxis schreibst du an die Inhaberin oder den Inhaber. In größeren Kanzleien steht auf der Karriereseite manchmal eine Ansprechperson für Ausbildung und Praktikum. Sprich die Person mit Namen an, nicht mit „Sehr geehrte Damen und Herren“, wenn der Name bekannt ist.
Was in die Mail und den Anhang gehört
- Zeitraum und Umfang: genaue Daten, Stunden pro Woche, ob Pflicht- oder freiwilliges Praktikum.
- Was du kannst: Buchführung, Kostenrechnung, Steuerrecht aus dem Studium oder der Schule, Erfahrung mit Tabellen oder einer Buchhaltungssoftware. Nenne es konkret, mit Fach und Semester.
- Warum diese Kanzlei: ein Schwerpunkt, den sie auf der Website nennt, etwa Lohnbuchhaltung, Landwirtschaft, Heilberufe oder Start-ups.
- Anhang: Lebenslauf als PDF, im Studium die Immatrikulationsbescheinigung und eine Notenübersicht, wenn die Fächer passen.
Kanzleien arbeiten mit vertraulichen Daten ihrer Mandanten. Steuerberater müssen auch Personen, die bei ihnen berufsvorbereitend mitarbeiten, in Textform zur Verschwiegenheit verpflichten (§ 62 Steuerberatungsgesetz). Biete in der Mail an, das vor Beginn zu unterschreiben. Das ist ein kleiner Satz mit großer Wirkung.
Betreffzeilen
- Bewerbung um ein Praktikum bei [Name der Kanzlei]
- Praktikum Steuerberatung, [zwölf Wochen] ab [Datum]
- Pflichtpraktikum BWL mit Schwerpunkt Steuern, [Juli bis September 2027]
- Ausbildung zur Steuerfachangestellten ab 1. August [Jahr]
- Schülerpraktikum in Ihrer Kanzlei vom [Datum] bis [Datum]
Muster-Mail für ein Praktikum im Studium
Pflichtpraktikum in der Steuerkanzlei
Betreff: Bewerbung um ein Praktikum bei [Name der Kanzlei]
Hier die Tonlage „Kurz & klar“: Der Einstieg ist eine Frage, die Kanzlei kann mit Ja oder Nein antworten. Steuerkanzleien stehen in Easy Application unter „Recht & Steuer“, Richtung „Steuerberatung“. Den Bereichsnamen im Einstiegssatz änderst du im Text. Den Satz zur Lohnbuchhaltung setzt die App nur ein, wenn die Kanzlei das Thema selbst nennt.
Aufbau und feste Sätze stammen aus der Vorlage von Easy Application („Kurz & klar“). Betriebsname und Anrede setzt die App für jeden Betrieb ein, den Satz zu den Unterlagen nach dem, was wirklich mitgeht. Was in Klammern steht, schreibst du selbst.
Nachfassen
Kommt nach ein bis zwei Wochen keine Antwort, ruf kurz an oder schreib eine Nachfrage. Außerhalb der Fristenzeit kommt die schneller an. Frag, ob deine Mail angekommen ist und ob für deinen Zeitraum etwas möglich ist. Easy Application zeigt dir, welche Kanzleien noch nicht geantwortet haben, und bereitet die Nachfrage als eigene Mail vor. Die prüfst du, bevor sie rausgeht.
Typische Fehler
- Ein Praktikum im Februar angefragt, ohne zu fragen, ob das in der Kanzlei passt.
- „Interesse an Zahlen“ statt einer konkreten Angabe, was du im Studium gelernt hast.
- Eine Mail an alle Kanzleien der Stadt in einem Verteiler. Wer mit vertraulichen Mandantendaten arbeitet, sieht so etwas besonders kritisch.
- Der Zeitraum fehlt oder ist „flexibel“ ohne jeden Rahmen.
- Für eine Ausbildung bewirbst du dich mit einer Praktikumsmail. Sag klar, dass es um einen Ausbildungsplatz geht, und ab wann.
Ausbildung und Weg zum Steuerberater
Die Ausbildung zur oder zum Steuerfachangestellten dauert drei Jahre, zuständige Stelle ist die Steuerberaterkammer. Ausbildungsplätze vergeben die Kanzleien selbst. Ein Praktikum in den Ferien ist oft der Weg dorthin, weil beide Seiten sich kennenlernen. Wie du dich um einen Ausbildungsplatz bewirbst, steht im Ratgeber Ausbildungsplatz.
Wer später selbst Steuerberater werden will, braucht für die Prüfung Praxis (§ 36 Steuerberatungsgesetz): nach einem Studium mit weniger als vier Jahren Regelstudienzeit drei Jahre, mit vier Jahren oder mehr zwei Jahre. Nach einer kaufmännischen Ausbildung sind es acht Jahre, mit Prüfung zum Steuerfachwirt oder Bilanzbuchhalter sechs. Jeweils mit mindestens 16 Wochenstunden auf dem Gebiet der Steuern. Die Zeit beginnt erst nach dem Abschluss, ein Praktikum im Studium zählt also nicht. Es zeigt dir aber, ob der Beruf zu dir passt.
Wo du Steuerkanzleien findest
Die Steuerberaterkammern bieten Suchen nach Kanzleien in ihrem Bezirk an. Dazu kommen die Websites der Kanzleien selbst, auf denen Schwerpunkte und Team stehen.
In Easy Application: Bereich „Recht & Steuer“, genauer „Steuerberatung“, „Buchhaltung & Lohn“ oder „Wirtschaftsprüfung“. Als Art der Bewerbung passt „Praktikum“ (unter „Ich studiere“) oder „Ausbildungsplatz“ (unter „Ich will arbeiten“).
Mit der Richtung „Steuerberatung“ stehen Kanzleien oben, die das selbst über sich sagen. Darunter folgen weitere Kanzleien aus dem Bereich, bei jeder steht, was sie ist.
Häufige Fragen
Was macht man im Praktikum beim Steuerberater?
Meist Belege sortieren und buchen, bei Lohnabrechnungen und Steuererklärungen mitarbeiten und Mandantengespräche miterleben. Was genau, hängt von der Kanzlei und deinem Vorwissen ab. Frag im Gespräch danach.
Wann ist die beste Zeit für ein Praktikum in der Steuerkanzlei?
Außerhalb der Wochen vor den großen Abgabefristen. Mit Berater ist das grundsätzlich der letzte Februartag des übernächsten Jahres. Sommer und Herbst liegen weit davon entfernt.
Wie lange dauert die Ausbildung zur Steuerfachangestellten?
Drei Jahre. Zuständig ist die Steuerberaterkammer. Ausbildungsbetrieb ist die Kanzlei, bei der du dich bewirbst.
Muss ich im Praktikum eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben?
Ja. Steuerberater müssen auch Praktikanten in Textform zur Verschwiegenheit verpflichten (§ 62 Steuerberatungsgesetz).
Wird ein Praktikum in der Steuerkanzlei bezahlt?
Ein freiwilliges Praktikum über drei Monate muss nach Mindestlohn bezahlt werden. Pflichtpraktika und Orientierungspraktika bis drei Monate sind ausgenommen (§ 22 Mindestlohngesetz). Ob die Kanzlei trotzdem zahlt, entscheidet sie.
Quellen
- Bundessteuerberaterkammer: Berufsstatistik 2025 (Stichtag 1. Januar 2026)
- Abgabenordnung § 149: Abgabe der Steuererklärungen, Fristen mit Steuerberater
- Steuerberatungsgesetz § 36: Voraussetzungen für die Steuerberaterprüfung
- Steuerberatungsgesetz § 62: Verschwiegenheit beschäftigter Personen
- Verordnung über die Berufsausbildung zum Steuerfachangestellten (2023), § 2 Dauer
- Berufsbildungsgesetz § 71: zuständige Stellen, darunter die Steuerberaterkammern
- Digitale-Dienste-Gesetz § 5: Pflichtangaben auf Websites
- Mindestlohngesetz § 22: Pflicht- und Orientierungspraktika
Abgerufen und geprüft im Oktober 2026. Gesetze und Ordnungen ändern sich: Maßgeblich ist, was deine Schule, Hochschule oder Kammer vorgibt.