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Ratgeber

Bewerben ohne Berufserfahrung: die erste Stelle

Nach Studium oder Ausbildung suchst du zum ersten Mal keinen Platz zum Lernen, sondern einen Job, für den dich jemand bezahlt. Der wunde Punkt ist fast immer derselbe: Im Lebenslauf steht noch keine richtige Stelle. Hier steht, was du stattdessen zeigst, wann du anfängst und was beim ersten Gehalt zu beachten ist.

Redaktion Easy Application · Stand

Wann du anfängst zu suchen

Früher als die meisten denken. Zwischen der ersten Bewerbung und dem ersten Arbeitstag liegen bei vielen Betrieben mehrere Wochen bis Monate: Sichtung der Bewerbungen, ein oder zwei Gespräche, Rücksprache im Team, dann Vertrag und Kündigungsfrist der Stelle, die frei wird. Wer erst nach dem Zeugnis anfängt, schiebt diesen ganzen Vorlauf hinter den Abschluss.

Ein guter Zeitpunkt ist der Punkt, ab dem du ein Enddatum nennen kannst, also sobald klar ist, wann du fertig bist. Das reicht: Du bewirbst dich mit dem Satz „Ich beende mein Studium im Februar und suche ab März eine Stelle als …“. Betriebe planen ohnehin in die Zukunft. Dein Zeugnis kommt später nach.

Wenn du mitten in der Abschlussarbeit oder in den Abschlussprüfungen steckst, such trotzdem weiter, aber in kleinerem Umfang. Zwei sorgfältige Bewerbungen in einer Woche sind besser als zehn in der Woche nach der Prüfung und dann drei Monate nichts.

Was jetzt anders zählt als beim Praktikum

Bei einer Praktikumsbewerbung ist die Frage: Lohnt es sich, dieser Person etwas beizubringen? Bei der ersten Stelle ist die Frage: Was kann diese Person vom ersten Tag an übernehmen, und bleibt sie? Deine Bewerbung sollte auf die zweite Frage antworten.

  • Nicht mehr „Ich möchte lernen“, sondern „Das kann ich, das habe ich gemacht, das will ich hier tun“. Lernen willst du trotzdem, aber das ist nicht mehr der Hauptpunkt.
  • Aus dem Motivationsschreiben wird ein Anschreiben, das sich auf die Aufgaben der Stelle bezieht. Wenn in der Ausschreibung vier Aufgaben stehen, nimm zwei oder drei davon konkret auf.
  • Der Lebenslauf dreht sich: Abschluss, Schwerpunkte und praktische Erfahrung nach oben, Schule und Nebenjobs weiter nach unten. Dein Schulabschluss ist ab jetzt eine Zeile.
  • Zeitraum statt Zeitfenster. Kein „für acht Wochen“, sondern ein Startdatum und die Bereitschaft, länger zu bleiben.
  • Formalien werden strenger gelesen: Erreichbarkeit, eine seriöse E-Mail-Adresse, Anhänge als PDF mit sprechenden Dateinamen.

Ohne Berufserfahrung überzeugen

„Keine Berufserfahrung“ stimmt fast nie. Was fehlt, ist eine Festanstellung im Beruf. Erfahrung hast du. Sie steht nur an der falschen Stelle oder ist zu allgemein beschrieben.

  • Praktika und praktische Einsätze: nicht nur Betrieb und Zeitraum, sondern was du dort selbst gemacht hast. „Acht Wochen Praxis Nord“ sagt nichts. „Behandlungen unter Anleitung vorbereitet und dokumentiert, feste Termine in der Nachsorge betreut“ sagt etwas.
  • Abschlussarbeit: Thema, Fragestellung und Methode in zwei Sätzen. Sie zeigt, dass du dich allein in ein Thema einarbeiten, es strukturieren und zum Ende bringen kannst. Wenn das Thema zur Stelle passt, gehört es ins Anschreiben, nicht nur in den Lebenslauf.
  • Nebenjobs: unterschätzt. Kasse, Gastronomie, Lager, Pflege, Nachhilfe: daraus entstehen Schichtdienst, Kundenkontakt unter Druck, Verlässlichkeit, Kasse und Abrechnung. Benenne das, statt sich dafür zu entschuldigen.
  • Projekte: Studienprojekte, Werkstudentenstellen, Hiwi-Jobs, Vereinsarbeit, Ehrenamt, selbst gebaute Dinge. Alles, wo ein Ergebnis herauskam, das jemand anderes benutzt hat.
  • Fähigkeiten, die der Betrieb sucht: Software, Dokumentation, Geräte, Zertifikate, Sprachen, Führerschein. Nur was du wirklich kannst. Das wird im Gespräch geprüft.

Und ein Satz, der bei Einsteigern mehr wiegt als jede Formulierung: warum dieser Betrieb. Wer erkennbar etwas über den Betrieb weiß, wirkt wie jemand, der bleiben will. Genau darum geht es bei der ersten Stelle.

Gehalt

Beim Einstieg wirst du früher nach deiner Vorstellung gefragt, als du denkst, manchmal schon in der Ausschreibung. Zwei Dinge helfen:

  • Informiere dich vorher, was in deinem Beruf und deiner Region beim Einstieg üblich ist. Belastbare Anhaltspunkte geben Tarifverträge, Gewerkschaften, Berufsverbände, deine Hochschule oder Berufsschule und Menschen aus deinem Jahrgang, die schon angefangen haben. Was in Foren steht, ist meist eine Einzelmeinung ohne Kontext.
  • Nenne einen Bereich, keine Punktzahl, und nur, wenn du gefragt wirst. Im Anschreiben gehört das nur hin, wenn die Ausschreibung ausdrücklich danach fragt.

Wichtig beim ersten Vertrag: Schau nicht nur auf die Zahl. Befristung, Probezeit, Wochenstunden, Überstundenregelung, Urlaubstage, Schichten oder Wochenenddienste, Fortbildungen und wer sie bezahlt: Das entscheidet mit darüber, was die Stelle wirklich wert ist. Bei Fragen zum Vertrag kannst du dich an eine Gewerkschaft oder Beratungsstelle wenden, bevor du unterschreibst.

Zeugnisse und Arbeitszeugnis

Ein Arbeitszeugnis hast du beim Einstieg oft noch nicht, und das erwartet auch niemand. Was du mitschickst:

  • Abschlusszeugnis oder, wenn es noch nicht da ist, die aktuelle Notenübersicht mit dem voraussichtlichen Abschlussdatum. Schreib dazu, dass du das Zeugnis nachreichst.
  • Praktikums- oder Arbeitszeugnisse aus Nebenjobs, wenn du welche hast, sowie relevante Zertifikate.
  • Keine Zeugnisse aus der Mittelstufe, keine zwanzig Anhänge. Was nicht zur Stelle passt, lass weg.

Wenn du ein Praktikum oder einen Nebenjob beendest, bitte um ein Zeugnis, solange sich noch jemand an dich erinnert. Später ist es unangenehm und oft unbrauchbar knapp. Lies es durch, bevor du es ablegst: Ein Zeugnis, das nur bestätigt, dass du anwesend warst, sagt bei der Bewerbung wenig.

Wie du den Betrieb anschreibst, der gerade nichts ausgeschrieben hat (Betreff, Anrede, erste Sätze, Anhänge, Nachfassen), steht im Ratgeber Initiativbewerbung. Der gilt für die erste Stelle genauso wie für ein Praktikum.